100 Prozent Memmingen

Neue Ideen für ein neues Bad

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger,

liebe Kolleginnen und Kollegen

nachdem ich in der letzten Zeit von vielen Bürgerinnen und Bürgern in Memmingen angesprochen wurde, die bevorstehende Sanierung bzw. Erweiterung unseres Hallenbades nochmals öffentlich zu diskutieren, wende ich mich an Sie, diese Planungen grundsätzlich zu überdenken und das Ganzjahresbad nochmals aufzugreifen. Dies ist auch der Tatsache geschuldet, sollte das Bad wie beabsichtigt saniert werden, dass für die Zukunft jegliche weitere Aktivität für 25 Jahre verhindert wird, da Fördermittel des Freistaates eingeplant sind und diese an sog. Rückzahlverpflichtungen beinhalten.

Da in der Bevölkerung neuerdings, insbesondere im derzeitigen OB-Wahlkampf, vermehrt wieder ein Erlebnis- bzw. Spaßbad diskutiert wird möchte ich daran erinnern, dass dieses Thema nie zur Diskussion stand. Der Stadtrat hat sich immer für ein umfassend nutzbares Sport-Funktions-Bad entschieden.

Ausgehend von diesen Anfragen gehe ich nochmals auf die jetzige Situation ein. Geplant ist, das derzeitige Hallenbad mit einem Kostenaufwand von ca. 6 Mill. Euro zu sanieren. Zusätzlich soll nach einer weiterführenden Erhebung, ein Anbau an das bestehende Hallenbad mit weiteren 2-3 Bahnen, 25 m lang, mit einem Kostenaufwand von ca. 3 Mill. Euro Kosten, gebaut werden. Auch wenn dieser Vorschlag im ersten Moment sinnvoll erscheinen könnte, diese Idee ist bei genauer Betrachtung nicht zielführend. Durch die Erweiterung der Schwimmfläche kann vermutlich mit einer bescheidenen Entzerrung bei der Problematik Öffentlichkeit und Vereinstraining zu rechnen sein, unberührt davon sind jedoch die vielen, weiteren Probleme, die das derzeitige Hallenbad liefert.

  • Fehlende bzw. ausreichende Parkflächen
  • Keine Erweiterungsmöglichkeiten wie Kinderplanschbecken, Wickelbereich usw.
  • Keine vorhandene Sauna die Erlöse einbringt
  • Erhöhter Personalbedarf durch nach wie vor 2 getrennte Bäder
  • Fehlender Gastronomiebereich
  • Fehlendes Freigelände in der Übergangszeit
  • kein weiteres Übungsbecken für Schwimmunterricht
  • kein ununterbrochener Ganzjahresbetrieb (im Wesentlichen für die Öffentlichkeit)
  • weiterhin hohe Betriebskosten

Und nun die entscheidende Frage: Wer sollte dann zusätzlich zu den jetzigen Besuchern angesprochen werden?

Wir investieren also in ein Bäderkonzept  mindestens 10 Millionen Euro, ohne Sanierung des Freibades mit weiteren 3-5 Millionen, ohne erkennbaren Zusatzgewinn.

Die Ansprüche der Gäste an ein Bad sind erheblich gestiegen. Badegäste erwarten ein ansprechendes Umfeld, attraktive Schwimmangebote, eine freundliche Atmosphäre und vor allem Aufenthaltsflächen rund um Schwimmflächen. Kinder und Jugendliche wollen spielen, rutschen, sich frei im Wasser bewegen und dabei frei fühlen. Dies zieht dann vor Allem Kinder und Familien an. Durch das Anbieten von täglichen Fitnesskursen, Schwimmkursen und Gesundheitsaktionen sind Einnahmen im 6-stelligen Bereich möglich.

Die Baustruktur des in den 70 -er Jahren gebaute Bades ist nach den Normen des Verbandsschwimmens, rechteckig, funktional, sachlich. Dies ist für den heutigen Besucher im Schwimmbad - einfach gesprochen - zu langweilig.

Ein kommunales Bad wird immer ein Zuschussbetrieb sein. Aber die Höhe des Zuschusses ist steuerbar. Es gibt wirkungsvolle Hebel um Zuschüsse zu minimieren. Hierzu bedarf es einer neuen Sichtweise auf das Bad und auf die bisherigen Nutzer:

  • Die nachgefragten und tatsächlichen Nutzungen der Schulen, Vereine und Öffentlichkeit
  • Das Angebot für den Badegast
  • Die Preispolitik

Heute belegen die Schulen hauptsächlich am Vormittag und frühen Nachmittag, die Vereine vom späten Nachmittag bis 22:00 Uhr das Bad. Die restlichen Zeiten und Bahnen gehören der Öffentlichkeit.

Damit ein Bad wirtschaftlich geführt wird, muss es optimal ausgelastet sein, d.h. zwischen 85 – 100%. Die Personenzahl / Bahn werden derzeit mit 12 bis 15 Personen angegeben. 85 % wären demnach 10 Personen. Die Realität sieht jedoch völlig anders aus. Vereine benötigen grundsätzlich mehr Wasserfläche als bisher angenommen, dies ist abhängig von der Leistungsstärke der Gruppe und von der Sportart (Wasserball), obwohl sie nur einen Teil ausnutzen. Die Öffentlichkeit erhält dagegen Zeiten die ziemlich unattraktiv sind. Starre, unveränderliche Öffnungs- und Belegungszeiten, passen nicht mehr in eine Zeit flexibler Arbeitszeiten und geänderter Lebenskonzepte.

Deshalb ist es wichtig die Nachfrage durch Anreize zu steuern. Die bisherige Praxis des Angebotes von Schwimmzeiten ist wirklich nichtmehr zeitgemäß und sollte unter Einschluss aller Beteiligten neu gestaltet werden. Eine Änderung wird jedoch nur dann gelingen, wenn sich „Alle“ von Ihrem Besitzstanddenken lösen, neue Ideen zulassen, die zur Wirtschaftlichkeit eines neuen Bades beitragen.

Die Nachfrage durch Preispolitik steuern

Die knappe Ressource ist die Wasserfläche! Wenn der geringe Preis die Nutzer nicht reizt die gemieteten Flächen optimal zu nutzen, verknappt man das hohe Gut und belohnt diejenigen die das Angebot optimal nutzen:

  • Abrechnung nach Nutzungszeiten
  • Mieten pro Bahn
  • Wasserflächen in attraktiven Zeiten (Abends) sind teurer als unattraktive Zeiten (Morgens)

Insbesondere für die Vereine ist es dabei wichtig, ein für beide Seiten akzeptables Ergebnis zu erreichen.

Ebenso ist eine Änderung bei der Preispolitik für die Öffentlichkeit anzustreben. Attraktive Zeiten sind zu erhöhen, unattraktive können vergünstigt werden. Ebenso ist bei der Dauer des Aufenthaltes im Bad zu verfahren. Diese Staffelung hat sich schon in anderen Bädern bewährt.

Den Besucher als Gast sehen

Badegäste erwarten ein ansprechendes Umfeld, attraktive Schwimmangebote  und eine freundliche Atmosphäre. Wenn sich der Badegast wohlfühlt, kommt er häufiger. Wie oben erwähnt ist die Baustruktur des Hallenbades, rechteckig, funktionell und sachlich. Dies ist für den Schwimmsport sicherlich ausreichend, für den heutigen normalen Gast wirklich langweilig. Kinder und Jugendliche wollen spielen, rutschen, in Gruppen zusammen sein, sich frei im Wasser bewegen und sich frei fühlen. Dies ist im jetzigen Hallenbad - auch nach der angedachten Erweiterung - keinesfalls möglich. Daneben ist jedoch auch die Erweiterung des Badeangebotes notwendig, z.B. Spielevents, Fitness- und Gesundheitskurse, Schwimmkurse, Schnellschwimmbahn usw. zwingend notwendig, das ist auf der angedachten Bestandsfläche nicht darstellbar.

Will man als Stadt Memmingen langfristig eine hohe Belegung, einen konstant hohen Deckungsgrad erreichen, dann muss wie ein Dienstleistungsunternehmen versucht werden, die Badegäste an sich zu binden. Unser Hallenbad ist nicht eine Verrichtungsstätte für Schwimmleistungen, sondern eine Stätte für Menschen die in Ihrer Freizeit Erholung, Bewegung, Geselligkeit, Gesundheit und Spiel erleben wollen.

Dies hat auch auf die Tätigkeiten des Schwimmpersonals  Auswirkungen. Das heutige Schwimmmeister- und Fachangestelltenpersonal ist weit vielseitiger und besser ausgebildet. Es ist nicht nur Technik- und Aufsichtspersonal, sondern bringt sich auch ein in das aktive Schwimmangebot und beim Service der Gäste. Es wird sich als Dienstleister verstehen und vermehrt um das Wohl der Gäste kümmern.

Kosten Neubau eines Ganzjahresbades

In der derzeitigen Diskussion wird immer, insbesondere bei einem Bau mit 50 m Becken, mit unrealistischen Zahlen gearbeitet. Als gute Beispiele für zeitgemäße Ganzjahresbäder gelten das „Bambados“ in Bamberg und das „Sportbad“  in Ingolstadt. Beide Bäder sind ausgestattet mit einem 50 m Becken 8 bzw. 10 Bahnen. Zusätzlich noch Saunen mit Ruheraum und Außenbereich,
1-2 Lehrschwimmbecken, Großwasserrutschen, Freizeitbecken, Planschbecken, Gastronomie, ausreichend  Umkleiden und Funktionsbereiche. Beide Bäder wurden mit einem Investitionsvolumen von ca. 23 Millionen Euro erstellt. In Bamberg wurden in Passivhausqualität, Energiekonzept und Parkplätze zusätzlich nochmals 9 Mill. € investiert. Dass auch bei Hallenbädern ein Passivhausstandart möglich und zukunftsweisend ist, zeigt das Bambados. Die Betriebskosten liegen weit unter dem Durchschnitt. Der Heizwärmeverbrauch wurde um 50% reduziert, ebenso hohe Einsparungen bei den Stromkosten. Hier liegt das große Potential für Verbesserungen. [siehe hierzu www: passiv.de/downloads/05_hallenbad_bambados_monitoring_endbericht.pdf]

Wie festgestellt werden kann, bauen andere Kommunen größere, attraktivere Sportbäder, während Memmingen für die gleichen Kosten angeblich nur ein  25 m Becken erstellen kann. Das gilt es zu hinterfragen.

Die zusätzlichen Nutzungen

Ein großes Becken mit Teilungsmöglichkeit bringt eine ganztägige Nutzung für Öffentlichkeit, Schulen und Vereine zur gleichen Zeit. Eine gute Auslastung ist die Folge und eine wichtige Grundlage in der wirtschaftlichen Diskussion. Wenn Memmingen als Oberzentrum weiterhin eine führende Rolle spielen möchte, sollte es auch im Bäderbereich eine wichtige Rolle einnehmen. Mit einem Ganzjahresbad haben wir ein Alleinstellungsmal, welches seinesgleichen in der Umgebung sucht und sich von Bädern in anderen Städten abhebt.

Sollten wir dann zusätzlich den Mut haben, die Standortfrage nochmals zu diskutieren, wäre der Weitblick auf 2020 gefordert. Bis 2020 soll auch der S-Bahn-Anschluss an Ulm bzw. Region Donau-Iller, erfolgen. Nördlich von Memmingen(Stadtteil) wird dann ein Haltepunkt errichtet. Von hier wären es nur wenige Meter bis zu einem „Neuen Ganzjahresbad“. Der komplette S-Bahn Einzugsbereich wäre dann Nutznießer eines kurzen Weges. Die Grundstücke von Hallenbad und Freibad wären dann für andere (gewinnbringende) Nutzungen frei.

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

überdenken Sie nochmals die anstehende Sanierung und blicken Sie zukunftsweisend nach vorne. Noch ist nichts zu spät. Lassen Sie uns über die alternative Lösung eines Ganzjahresbades diskutieren. Die Menschen in unserer Stadt, die Gesundheit der Bevölkerung und der Sport werden es Ihnen danken.

Helmuth Barth

Stadtrat CRB

Memmingen ist eine kinderfreundliche Stadt

Ziel des CRBs war es schon immer Memmingen zu einer sozialen und kinder- und familienfreundlichen Stadt zu machen.
Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und schrumpfender Städte erhält das Leitbild einer kinder- und familienfreundlichen Stadtentwicklung besondere Bedeutung.

Die Stadt Memmingen wird also umso zukunftstauglicher sein, je besser es ihr gelingt, Kindern und Jugendlichen beste Start- und Entwicklungschancen zu bieten.

Mit der Bereitstellung von pädagogischen Orten wie Spielplätzen oder Schulhöfen ist es allein nicht getan. Es geht um die ganzheitliche Entwicklung unserer Stadt, in denen sich Kinder und Jugendliche wohl fühlen und in denen generationsübergreifendes Leben stattfindet.

Eine kinder- und familienfreundliche Stadtentwicklung lässt sich nur mit den Bürgerinnen und Bürgern gemeinsam entwickeln,- dazu möchten wir unsere Memminger BürgerInnen auffordern, Ideen einzubringen und bei uns im CRB mitzuarbeiten.

Wichtig ist uns auch, daß Frauen die Möglichkeit haben, einer geregelten Arbeitszeit nachzugehen und ihre Kinder trotzdem gut versorgt zu wissen.

Wir haben in Memmingen 18 städtische und kirchliche Kindergärten, wir haben 3 Kinderhorte und 234 Kinderkrippenplätze. Doch das ist nicht genug!  In den nächsten Jahren wird sich der CRB noch mehr dafür einsetzen in Memmingen eine gezielte Spielleitplanung zu  integrieren, die durch das Bundesministerium für Familie und Jugend in vielen Kommunen bereits vorgestellt wurde.

Christiane Wilhelm - stellvertr. Fraktionsvorsitzende

Der Sport rückt in den Hintergrund

Derzeit wird bei der Stadt Memmingen der Sanierung städtischer Bauten alles untergeordnet. Die Wichtigkeit erkennt man als Bürger der Stadt sicher an. Dies darf jedoch nicht dazu führen, dass die Sanierung der vom Sport genutzten Sportanlagen in das Hintertreffen gerät.

Bekanntlich wird nach Abschluss und Umzug der städt. Realschule in ihr schönes, neues Domizil, die Sanierung des Bernhard Strigel Gymnasiums durchgeführt. Diese Notwendigkeit wird sicher nicht bezweifelt.

Nachfragen muss man jedoch, warum bei der Turnhalle nur saniert werden soll?

Die von der Bauverwaltung angesetzte Sanierung beinhaltet lediglich die Hülle der Turnhalle. Die Erhöhung der Dachlast wird jedoch nicht beseitigt, sodass weiterhin bei Schneelast die Halle für den Schul- und Vereinssport zu sperren ist.

Auch die bauliche Größe bleibt weiterhin zu klein. In der Länge um 1m und in der Breite um 2m fehlen zu gültigen, heute vorgeschriebenen Maßen, um einen ordnungsgemäßen Schulsportunterricht durchzuführen. Demzufolge wird es auch weiterhin Schwierigkeiten mit der Gemeinde Unfallversicherung geben. Interessant wird sein, wie in der zu engen Halle die Prallschutzwände dann ausgeführt werden. Im Schulunterricht sind die Ballspielarten Handball und Volleyball verpflichtend vorgeschrieben. Volleyball geht weiterhin nicht, da die Decke viel zu niedrig ist. Beim Handballunterricht sind die Tore weiterhin an der Wand aufgemalt, weil kein Tornetz Platz hat. Neben dem Schulsport leidet auch der Vereinssport erheblich unter diesen Bedingungen.

Zu hinterfragen sind ebenfalls die Kosten der Sanierung. 1,9 Millionen zur Sanierung der Turnhalle und der vorhandenen Musikräume sind aus unserer Sicht nicht ausreichend.

Der Vorschlag des CRB, einen Neubau der Turnhalle, Erweiterung und Optimierung der Musikräume, sowie eine Verbindung, zur gleichzeitigen Nutzung als Aula, zum jetzigen Schulgebäude wären sicher sinnvoller und bei genauer Betrachtung kostengünstiger gewesen.

Helmuth Barth, Stadtrat

Neues Bad

Das neue Bad sollte sich nach Meinung des CRBs von der Konkurrenz der benachbarten Städte deutlich abheben und ganzjährig geöffnet sein. Es sollte des Weiteren für die breite Öffentlichkeit, die Schulen und die Vereine der Stadt genügend Raum bieten. Unter Umständen könnte hier auch eine besondere Thematisierung möglich sein.

Um das neue Bad ansprechend zu gestalten ist ein großes Schwimmbecken und ein eigenes Lehrschwimmbecken nötig. Eine innovative Rutschlandschaft und ein besonderer Kinderbereich sowie eine Saunalandschaft könnten das neue Bad für Familien und junge Menschen attraktiv machen. Dies zeigt auch eine Umfrage der Bürgerschaft, die differenzierte Angebote fordern. So forderten 70 % ein Kinderplantschbecken, 59 % einen Whirlpoorl und 74 % eine ausreichende Anzahl an Liegen. Gerade auch der Schulunterricht spielt bei der Neubaufrage jedoch ein großes Gewicht. So hatten allein die Memminger Schulen im Schuljahr 2002/2003 5628 Schüler in 239 Klassen. Auch diese müssen berücksichtigt werden, weshalb gerade bei einem Neubau eine gewisse Mindestgröße gegeben scheint. 

Im bisherigen Hallenbad sind derzeit 6 Bahnen á 25 Meter vorhanden. Dies entspricht einer Wasserfläche von 313 qm. Zu wenig, um Vereine, Öffentlichkeit und Schulen ein gleichberechtigtes Nebeneinander zu gewähren. Unserer Einschätzung nach müsste bei einem Neubau auf jeden Fall eine 50 Meter Bahn im Hallenbereich mit mindestens 8 Bahnen gebaut werden. Dies würde einer Fläche von 1000 qm entsprechen. Nur so könnte in Zukunft sämtlichen Bedürfnissen Zeitgleich Rechnung getragen werden. Eine Schließung  am Sonntag, der derzeit Nachmittags von Vereinen belegt ist, könnte so ausgeschlossen werden und die breite Öffentlichkeit hätte nun Zugang zum Hallenbadbereich. Diverse, bereits vorliegende Pläne verdeutlichen eine Machbarkeit am bisherigen Freibadstandort.